Hallo Winter: Yoga mit den Jahreszeiten
Der Winter steht vor der Tür – die Zeit der Ruhe, Stille, Regeneration und Reflexion. Yoga ist eine wundervolle Möglichkeit, um die Qualitäten dieser Jahreszeit bewusst zu erleben. Was den Winter außerdem ausmacht und welche Übungen sich für diesen Abschnitt eignen, zeige ich dir in meinem Blog-Artikel.
Die Bäume haben ihre Blätter abgeworfen und sich in ihre Wurzeln zurückgezogen. Die Natur befindet sich im Winterschlaf und sammelt Kraft, um im Frühjahr wieder voller Energie neu auszutreiben, sich zu entfalten und zu wachsen. Keine andere Jahreszeit lädt uns so sehr ein, zur Ruhe zu kommen und still zu werden.
Warum die Ruhe und Stille des Winters herausfordernd sein kann?
Manchmal ist es gar nicht so leicht, zur Ruhe zu kommen und still zu werden. Gerade in unserem aktiven Alltag, in dem eine Vielzahl an Informationen auf uns einprasseln, wir volle Terminkalender und TO-do-Listen haben, kann die Passivität des Winters eine Herausforderung sein. Einerseits kann es sein, dass uns durch die Dunkelheit die Energie fehlt und wir gar nicht richtig „wach werden“. Andererseits kann die Ruhe des Winters beängstigend sein und ein Gefühl von Stillstand, Leblosigkeit und Vergänglichkeit hervorrufen.
Warum sich Ruhe und Stille dennoch lohnt?
Das Stillwerden fordert uns und es verlangt Mut, sich darauf einzulassen. Aber es ist nötig, um in unsere Kraft zu kommen und um unser Potenzial zu entfalten. Denn in der Stille begegnen wir uns selbst. Wir halten inne und können uns mit den essenziellen Fragen des Lebens beschäftigen: Sind wir auf dem richtigen Weg? Sie führt uns zu unserem Herzen. Und hier finden wir Frieden. Wir können unsere innere Stimme hören.
Ruhe ist die Voraussetzung für Selbstreflexion und für persönliches Wachstum. Sie stärkt unsere Konzentrationsfähigkeit und unsere Präsenz im Augenblick, erhöht unsere Auffassungsgabe und fördert unsere Kreativität. Körperliche und gedankliche Ruhe stärkt unser Nervensystem, baut Stress ab und gibt innere Klarheit. Gleichzeitig sind Ruhe und Entspannung notwendig für ein gut funktionierendes Immun- und ein starkes Herz-Kreislaufsystem. In der Ruhe und Entspannung können körperliche und mentale Heilungsprozesse angestoßen werden.
Monkey Mind – der Affe in unserem Kopf
Ruhe und Stille bedeuten zum einen, dass wir unseren Körper entspannen, damit er sich regenerieren kann. Zum anderen kommt unser Geist zur Ruhe.
In den Yoga Sutras des Pantajali heißt es:
Yoga citta vritti nirodha
=
Yoga ist jener innere Zustand, in dem die emotionalen und mentalen Bewegungen des Geistes zur Ruhe kommen.
Unser Kopf ist ständig in Bewegung. Unsere Gedanken springen wie ein wild gewordener Affe von einem Ast zum anderen. Wir grübeln über Vergangenes oder sorgen uns über mögliche Ereignisse in der Zukunft. Und das sorgt für innere Unruhe.
Wenn wir es schaffen, die Bewegungen im Geist zu reduzieren, kommen wir mehr im Hier und Jetzt an, wir kommen mehr bei uns an. Das Ankommen bei uns, hat eine große Auswirkungen darauf, wie wir unser Leben gestalten, wie wir mit Stress umgehen oder wie wir auf Veränderungen reagieren.
Die Kraft der Ruhe im Winter
Gerade der Winter mit seinen „stillen Qualitäten“ lädt uns ein, die Ruhe willkommen zu heißen, zu reflektieren und bei uns zu sein. Wenn wir uns diese Zeit nehmen, dann legen wir das Fundament für die weiteren Jahreszeiten und können auch dann in unserer Kraft und in unserer Mitte sein.
Wie kann Yoga im Winter aussehen?
Entspannung durch Körperreise
Bei einer Körperreise verbindest du dich ganz bewusst mit deinem Körper. Du wanderst gedanklich durch deinen Körper und beobachtest, wie er sich anfühlt. Manchmal bemerkst du dann, dass einige Körperbereiche verspannt sind und Aufmerksamkeit benötigen. Andere Bereiche sind vielleicht entspannter, als zu denkst.
Komme für die Körperreise in eine bequeme Rückenlage. Nimm dir alle Hilfsmittel, die du dafür brauchst, zum Beispiel ein Kissen unter die Knie oder den Kopf. Nun wandere durch deinen Körper: Nimm deine Stirn wahr, dein Gesicht, Wangen, Unterkiefer, Hals, Nacken…bis du bei deinen Zehen angekommen bist.
Ankommen im Hier & Jetzt durch Konzentration auf den Atem und Atemübungen
Unseren Atem haben wir immer dabei. Er ist ein Anker, der uns immer wieder ins Hier und Jetzt bringt. Sind wir im Hier und Jetzt, sind wir ruhig. Atemübungen senken den Blutdruck und reduzieren Stress- und Angstgefühle.
Komme in Rückenlage auf deine Yogamatte und nimm den natürlichen Fluss deines Atems wahr. Wie fließt dein Atem gerade? Wie tief oder flach fließt er? Wie schnell fließt er? In welchen Bereichen deines Körpers spürst du deinen Atem? Um dich in stressigen Momenten zu beruhigen, lenke deinen Atem bewusst in den Bauchraum und beobachte, wie deine Bauchdecke sich im Rhythmus deines Atems hebt und senkt.
Für die Atemwahrnehmung brauchst du nicht unbedingt eine Yogamatte. Du kannst diese Übung jederzeit in deinen Alltag einbauen.
Wärmende Yogapraxis für die kalte Jahreszeit
Bewegungsabläufe wie der Sonnengruß bringen die Energie im Körper zum Fließen. Dir wird warm und durch die ausgleichende Abfolge der Bewegungen wirst du ruhiger. Der Sonnengruß hebt deine Stimmung und stärkt gleichzeitig dein Immunsystem.
Yin Yoga für den Nieren- und Blasenmeridian
Im Winter steht das Element Wasser im Mittelpunkt. Die zugehörigen Meridiane sind Niere und Blase. Asanas, die diese Energieleitbahnen ansprechen sind beispielsweise die Vorbeuge im Sitzen/ Raupe oder Supta Badha Konasana/ der Schmetterling.
Nährende Meditationen im Winter
Meditation schenkt uns Ruhe, Fokus und Klarheit. In meinem Blogartikel Meditation - die Ruhe des Moments zeige ich dir, wie du mit dem Meditieren beginnen kannst und welche Methoden es gibt.
Was ist darüber hinaus im Winter hilfreich?
Nimm verstärkt warme Lebensmittel zu dir, zum Beispiel Suppen und Eintöpfe. Ein warmes Frühstück (z. B. Porridge oder Hirsebrei) gibt dir wertvolle Energie für den Tag.
Warme Getränke wie Tee wärmen deinen Körper von innen.
Nimm dir Zeit für bewusste Reflexion. Vielleicht hilft dir Journaling oder du hältst deine Gedanken fest. Überlege dir: Was ist dir wirklich wichtig? Was belastet dich? Was sind deine Kraftquellen? Was trägt dich?
Ich wünsche dir einen wundervollen Winter! Deine Birte